Unworte

 


Wir übernehmen keine Garantie für die Unworte und die Begründungen.


Jahr Wort Begründung
2016 Volksverräter Der Begriff wurde gewählt, nachdem Politiker von Demonstranten so beschimpft wurden. In den Medien wurden die Demonstranten oftmals als "rechter Pöbel" bezeichnet.
2015 Gutmensch Als Gutmenschen wurden 2015 Leute beschimpft, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren oder sich gegen Angriffe auf Flüchtlingsheime stellen.
2014 Lügenpresse Mit der Wahl dieses Wortes zum Unwort, hat man sich ein Eigentor geschossen. Im Dezember 2011 wurde Bundespräsident Wulff von den gleichgeschalteten Medien zur Schlachtbank geführt. Als die Sache gerichtlich für Herrn Wulff geklärt war, ging es weiter im selben Muster mit der Russland-Hetze. Das funktionierte vielleicht noch vor 20 Jahren. Aber im Zeitalter der Internet-Vernetzung kommt viel Wahrheit ans Licht, die vorher verborgen blieb.
  Erweiterte Verhörmethoden oder sollte man es doch lieber Folter nennen
Russland-Versteher Erinnert mich an das Unwort "Gutmenschen". Was ist schlecht daran, zu versuchen andere zu verstehen? Die Bezeichnung wurde abwertend gebraucht für Menschen, die versucht haben neutral zu denken und Fragen stellten.
2013 Sozialtourismus Die Jury begründete ihre Entscheidung dahingehend, dass das Grundwort „Tourismus“ suggeriere, die Zuwanderung aus Not sei „eine dem Vergnügen und Erholung dienende Reisetätigkeit“. Aus Sicht der Gesellschaft für deutsche Sprache ist mit dem Begriff „gezielt Stimmung gegen unerwünschte Zuwanderer, insbesondere aus Osteuropa“, gemacht worden. Die Jury führte in ihrer Begründung aus, den Begriff „Sozialtourismus“ habe der Staatssekretär Günter Krings (CDU) aus dem Bundesinnenministerium neu in Umlauf gebracht und die Deutsche Presse-Agentur dpa habe das Wort verwendet.
Dabei stehe das Unwort des Jahres in Zusammenhang mit weiteren Worten wie „Armutszuwanderung“ sowie „Freizügigkeitsmissbrauch“.
2012 Opfer-Abo Jörg Kachelmann äußerte anderthalb Jahre nach seinem Freispruch im Kachelmann-Prozess die Ansicht, dass Frauen in der Gesellschaft ein „Opfer-Abo“ hätten. Die Wortschöpfung selbst stammt hingegen von seiner Frau[16]. Die Jury kritisierte den Begriff dafür, dass er Frauen „pauschal und in inakzeptabler Weise“ unter den Verdacht stelle, sexuelle Gewalt zu erfinden und damit selbst Täter zu sein.
  Pleite-Griechen  
  Lebensleistungsrente Eine böse Bezeichnung, weil die Lebensleistung von Menschen auf die Rente  reduziert wird. Zynisch ist sie gegenüber denjenigen, die eine solche Lebensleistung aus familiären oder gesundheitlichen Gründen nicht erbringen können.
2011 Döner-Morde   Durch die Reduktion auf ein Imbissgericht wurden die Opfer einer rechts-terroristischen Gruppe ausgegrenzt und in höchstem Maße diskriminiert.
  Gutmensch  Mit dem Ausdruck Gutmensch wird insbesondere in Internet-Foren das ethische Ideal des "guten Menschen" in hämischer Weise aufgegriffen, um Andersdenkende pauschal und ohne Ansehung ihrer Argumente zu diffamieren und als naiv abzuqualifizieren. Ähnlich wie der meist ebenfalls in diffamierender Absicht gebrauchte Ausdruck "Wutbürger", sind diese Bezeichnungen nur dazu da, Argumente im Keim zu ersticken.
2010 Alternativlos das Wort wurde unter anderem von Angela Merkel und anderen Mitgliedern der Bundesregierung verwendet. Mit dieser Begründung waren mehrere politische Entscheidungen gerechtfertigt worden. Die Jury befand:
»Das Wort suggeriert sachlich unangemessen, dass es bei einem Entscheidungsprozess von vornherein keine Alternativen und damit auch keine Notwendigkeit der Diskussion und Argumentation gebe. Behauptungen dieser Art sind 2010 zu oft aufgestellt worden, sie drohen, die Politikverdrossenheit in der Bevölkerung zu verstärken.«
  Integrationsverweigerer:  Das von Bundesinnenminister de Maizière in Umlauf gebrachte Wort verbreitet die Unterstellung, dass Migranten in größerem Umfang selbst ihre Integration verweigerten. Dass für eine solche Behauptung noch immer eine sichere Datenbasis fehlt und dass der Staat seinerseits für die Integration noch zu wenig tut, wird in den entsprechenden Debatten meist ausgeblendet.
2009 betriebsratsverseucht Bekannt wurde der Begriff durch eine Verwendung eines Mitarbeiters der Baumarktkette Bauhaus in der ARD. Dieser Begriff ist ein Beispiel für die Rückkehr der Ausbeuter, die Arbeiter um ihre zustehenden Rechte bringen wollen.
  Flüchtlingsbekämpfung  
  intelligente Wirksysteme Waffen, Streubomben. Intelligente Munition.
  Bad Bank  
2008 notleitende Banken Der Begriff beschreibt den ganzen Zynismus dieses Gesellschaftssystems. Die Politiker sollten sich besser mit der Situation der notleidenden Menschen beschäftigen.
2007 Herdprämie Das Wort diffamiert Eltern, insbesondere Frauen, die ihre Kinder zu Hause erziehen, anstatt einen Krippenplatz in Anspruch zu nehmen. In diesem Zusammenhang sollen auch Wörter wie "Aufzuchtprämie" oder "Gluckengehalt" gefallen sein.
  klimaneutral Wurde gebraucht beim Versuch, eine Ausweitung des Flugverkehrs oder eine Steigerung anderer CO2-haltiger Techniken zu fördern.
2006 Freiwillige Ausreise Bezieht sich darauf, dass viele abgelehnte Asylbewerber vor einer drohenden Abschiebung „freiwillig“ in ihre Heimat zurückkehren. Tatsächlich hätten sie aber keine andere Wahl.
  "Unterschicht“ Abfällige Bezeichnung für arme Menschen, die eigendlich mehr Beachtung benötigen.
  „Neiddebatte“ als Verhöhnung der Kritik an hohen Managergehältern
2005 "Entlassungsproduktivität" Gewinne aus Produktionsleistungen eines Unternehmens, nachdem zuvor zahlreiche für „überflüssig“ befundene Mitarbeiter entlassen wurden.  Also einfach gesagt: Leute rausschmeißen um mehr Gewinn zu erzielen. 
  "Ehrenmord" Damit werde "die Ermordung von zumeist weiblichen Familienmitgliedern mit Berufung auf eine archaische, in unserem Kulturkreis absolut inakzeptable ,Familienehre' relativiert". 
  "Bombenholocaust" Die rechte Partei hatte 2005 die Zerstörung Dresdens mit diesem Begriff zu umschreiben versucht. 
  "Langlebigkeitsrisiko" Wurde im privaten Versicherungswesen gebraucht. 
2004 "Humankapital" Der Begriff "degradiert nicht nur Arbeitskräfte, sondern Menschen überhaupt zu nur noch ökonomisch interessanten Größen".
  "Begrüßungszentrum" So wurden Auffanglager für afrikanische Flüchtlinge bezeichnet. 
  "Luftverschmutzungsrechte" Das Wort sei nicht nur ein ökologisches Unding, sondern trage auch dazu bei, so genannte Treibhausgasemissionen für unbedenklich zu halten, weil der Handel mit ihnen rechtlich geregelt werde.
  "Konsumverweigerung" bezeichnet das Verhalten, auf den Genuss verfügbarer Güter bewusst zu verzichten. Sie kann sich auf die gesamte Lebensführung, aber auch auf bestimmte Güter (Nahrungsmittel, Kleidung, Wohnkomfort u. a.) beschränken.
  "Armutsgewöhnungszuschlag" Für Besserverdienende, die nach Verlust des Arbeitsplatzes im ersten Jahr ein relativ hohes Arbeitslosengeld bezogen haben, gibt es beim Bezug von Arbeitslosengeld II einen Zuschlag, der sich „Armutsgewöhnungszuschlag“ nennt
  "Bestandsausländer"  
  "Mitnahme-Mentalität" Ist aus der von Gerhard Schröder  angestoßenen Debatte über den Sozialstaat bekannt.
  "Rettungsfolter" Im Prozess gegen den Frankfurter Polizeivize Wolfgang Daschner geprägte Formulierung
  "Ein-Euro-Job"   
  "Hartz IV"  
2003 "Tätervolk"  Der Begriff sei "grundsätzlich verwerflich", da er ohne Ausnahme ein ganzes Volk für Untaten bestimmter Tätergruppen verantwortlich mache, so die Jury. 
  "Angebotsoptimierung" Damit werde die Verringerung von Dienstleistungen beschönigt, etwa wenn die Bahn Strecken stilllege. 
  "Abweichler" Diente der Diskriminierung von Bundestagsabgeordneten, die ihre Gewissensentscheidung über den Fraktions- oder Koalitionszwang stellten.
2002 "Ich-AG" Ein Individuum könne keine Aktiengesellschaft sein. Es sei eine Herabstufung von menschlichen Schicksalen auf ein sprachliches Börsenniveau gewesen. Man wolle schwierige soziale und sozialpolitische Sachverhalte mit sprachlicher Kosmetik schönreden. 
  «Ausreisezentrum» für Abschiebelager
  «Zellhaufen» für menschliche Embryonen
2001 "Gotteskrieger"  Bezeichnung für islamistische Terroristen. Die Jury rügte insbesondere den pseudoreligiösen Anspruch dieser Formulierung, da kein Glaube und keine religiöse Motivation Terrorismus oder Krieg rechtfertigten. 
2000 "National befreite Zone"  (zynisch heroisierende Umschreibung einer Region, die von Rechtsextremisten terrorisiert wird) "Umschreibung rechtsextremistisch terrorisierter Gebiete und Orte in den östlichen Bundesländern". Dieser Begriff heroisiere "ein extremistisches und gewalttätiges Sektierertum" und gebe "die Verfolgung von Menschen als »Befreiung« aus".
  Überkapazitäre Mitarbeiter" Reduzierung von zu entlassenden Arbeitnehmern auf rein betriebswirtschaftliche Größen
1999 "Kollateralschaden" Bezeichnung der NATO für die zivilen Opfer des Kosovo-Kriegs.
1998 "sozialverträgliches Frühableben" Äußerung gegen Pläne der rot-grünen Bundesregierung, den Anstieg der Ärztehonorare zu begrenzen.
  Belegschaftsaltlasten Abfallmetapher für Mitarbeiter, die ein Betrieb gern wieder loswerden möchte
  Humankapital als Bezeichnung von Kindern!
1997 "Wohlstandsmüll" Umschreibung arbeitsunwilliger und arbeitsunfähiger Menschen 
  Neue Beelterung  bürokrat. Umschreibung neuer Erziehungsberechtigter, die an die Stelle der leiblichen Eltern treten sollen
1996 "Rentnerschwemme" Dieses Wort stelle ein falsches, angstauslösendes Naturbild für einen sozialpolitischen Sachverhalt dar.
1995 "Diätenanpassung"  Beschönigung der Diätenerhöhung im Bundestag
  Altenplage Beleidigung der älteren Generation
  Biologischer Abbau  Zynismus für Ausscheiden aus dem Arbeitsleben
  Sozialverträglicher Stellen-/ Arbeitsplatzabbau schönfärberische Umschreibung für Entlassungen
1994 "Peanuts"  Geringschätzig über die offenen Handwerkerrechnungen in Höhe von rund 50 Mio. DM
  Dunkeldeutschland Ironismus für östliche Bundesländer
  Buschzulage  Gehaltszulage für sog. Aufbauhelfer in den östlichen Bundesländern
  Freisetzungen für Entlassungen
1993 "Überfremdung" Scheinargument gegen den Zuzug von Ausländern
  Kollektiver Freizeitpark Unterstellung einer sozialpolitischen Wunschvorstellung
  Sozialleichen Verstorbene, die aus völliger Verelendung stammen
  Schlanke Produktion Unternehmensstrategie mit Arbeitsplatzvernichtung
  Selektionsrest für schwerstbehinderte Kinder, die nicht in »Normalklassen« integriert werden können
1992 "Ethnische Säuberung"  Propagandaformel im ehemaligen Jugoslawien
  weiche Ziele  militärsprachl. Umschreibung für Menschen
  auf-/abklatschen tätliche und tödliche Angriffe auf Ausländer
  aufenthaltsbeendende Maßnahmen Abschiebungen im sog. Asylkompromiss; GG Art. 16a
1991 "Ausländerfrei" fremdenfeindliche Parole in Hoyerswerda
  durchrasste Gesellschaft Mischung der Deutschen mit Ausländern
  intelligente Waffensysteme  aus der Golfkriegsberichterstattung
  Personalentsorgung für Entlassungen
  Warteschleife  Phase sozialer Unsicherheit von Arbeitskräften in den östlichen Bundesländern