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Tausend Jahre Eden  // eBook-Version

 

 

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Der ISBN
ePub: 978-3-89988-139-4 // iPhone/iPod Touch: 978-3-89988-141-7 // PDF: 978-3-89988-140-0 // PRC-Mobipocket: 978-3-89988-032-8 h.
   


Tausend

Im LIT-Format ist das Buch bei "new eBooks" erschienen.
 
http://www.new-ebooks.de/ebooks/644
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Leseprobe

Tausend Jahre Eden

Inhaltsverzeichnis

1. Prolog
2. Die Märchenwelt der Erde
3. Geheimnisse der Vergangenheit
4. Das verbotene Paradies
5. Eroberung einer neuen Welt
6. Rückflug zur Erde
7. Kein Himmel ohne Hölle.
8. Terras neue Götter
9. Die Wächter der alten Völker
10. Grüne Hölle auf Togri
11. Der Monstermacher
12. Invasion in Alfa Mensae
13. Das Ende des Tausendjährigen Reiches
14. Begegnung mit dem Kugelraumschiff
15. Die Gärten der Götter

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1. Prolog

Erde im Jahr 3200

Seit nahezu eintausend Jahren lebten die Menschen nun schon in einer gewaltlosen, friedlichen, neidlosen und ehrenvollen Welt. Es war eine Welt die nicht auf Lüge aufgebaut war. Es war eine Zeit die ohne Geld, Macht und Reichtum auskam. In diesem Paradies musste niemand mehr hungern und niemand war mehr arm. Niemand wollte seinen Glauben mit Feuer und Schwert verbreiten und niemand wollte seinen Nächsten, auf irgendeine Art, besiegen. Wörter wie Mobbing oder Intrige, gab es nicht mehr. Doch das Böse sollte nach tausend Jahre Frieden, wieder erwachen. Die Gesetze und Regeln, die tausend Jahre Frieden ermöglichten, wurden plötzlich angezweifelt. Einige Menschen glaubten, dass nun die Zeit gekommen sei, um neue Wege zu gehen. Trotz aller Warnungen sonderten sie sich ab, um unabhängige Weltraumstädte zu bauen. Als diese endlich fertig waren, begann eine unheilvolle Zeit. Die neue Gesellschaft war schwer zu beherrschen. Die Menschen ließen sich von alldem verführen, was in eintausend Jahren Frieden verboten war. Es wurden grauenvolle Verbrechen begangen. Menschen wurden als Sklaven an außerirdische Wesen verkauft, die Gladiatoren und Tiere für ihre Inselarena suchten. Andere Menschen wurden von wahnsinnigen Wissenschaftlern entführt, weil sie mit ihnen experimentieren wollten. Sie brachen alle Regeln der Vernunft und Moral. Sie besetzten einen Planet und missbrauchten die Eingeborenen. Diesmal war es kein Erzengel oder Gott, der die Menschen aus dem Paradies vertrieben hat: sie waren es selbst. In der ersten Hälfte der tausendjährigen Friedenszeit, erhielten die Menschen Hilfe von außerirdischen Mächten. Doch diese Völker  schwiegen seit fast 500 Jahren. Es gab keinen Kontakt mehr zu ihnen. Die Menschen erkannten die Gefahr nicht, in der sie schwebten. Sie waren nicht imstande, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Alte Bücher und Geschichten aus der Vorfriedenszeit beachteten sie nicht mehr. Sie glaubten, dass sie die Fehler der Vergangenheit niemals wieder begehen würden. Sie hielten sich für vollkommen. Wer sollte nun den Menschheit die Augen öffnen?

 

2. Die Märchenwelt der Erde

Erde im Jahr 3205

Als Vanessa noch ein Kind war, konnte sie nicht begreifen, wie sich ihre wunderschöne Welt langsam veränderte. Ihr Vater nahm sie oft mit, wenn er mit seinem Fluggleiter über die wunderschönen riesigen Wälder flog. Vanessa liebte besonders abends diese Flüge, wenn man die Lichter der goldgelben Wohnpyramiden sah, die mit Glasröhren miteinander verbunden waren. Es war ein Anblick, als hätte man der Erde ein besonders wertvoll goldglänzendes Schmuckstück angezogen. Natur und Mensch existierten miteinander, als wäre es nie anders gewesen. Flora und Fauna waren so gesund und schön, wie es in einem Paradies nur sein kann. Eine Ausnahme waren die Märchenschlösser und Hexenhäuser. Ja, es gab Zwerge, Gnome, Kobolde, Feen und Elfen. Die Menschen hatten sich eine Märchenwelt mit Fabel- und Comicwesen geschaffen, wie es früher nur in der Fantasie von Kindern, Geschichtenerzählern oder Kinderbuchautoren möglich war. Aber in dieser Zeit waren all diese Wesen Androiden - ohne Geist und eigenem Bewusstsein. Dennoch funktionierte diese Fabelwelt so gut, wie eine von Gott geschaffene Märchen- oder Comicwelt. Die Erde war ein riesiges verspieltes buntes Abenteuerland geworden, das nach genauen Plänen und Regeln funktionierte.

 

  Doch, da der Mensch nie zufrieden war, sollte es schon bald anders kommen. Als Vanessa abends von ihrer Mutter zu Bett gebracht wurde, hörte sie im Wohnbereich ihren Vater mit Leuten reden, die sie nur von Sehen kannte.

  „Ihr werdet sehen“, hörte sie ihren Vater sagen, „es ist ein Fehler eine unabhängige Stadt im All zu bauen. Seit tausend Jahren gibt es drei Milliarden Menschen, die in Frieden miteinander leben.  Es steht sogar in unseren alten Büchern: Wenn wir unvorsichtig werden, wird der Drache wieder erwachen.“

  „Ach Peter, du bist ein Schwarzseher“, antwortet Atan. Er war der Bürgermeister des Stadtbereich Ariel, in dem Vanessa mit ihren Eltern wohnte.

  „Was soll denn schon geschehen, wenn auf dem Jupitermond Europa eine Stadt errichtet wird. Dann können die dortigen Bewohner auch besser den Mond Terraformen.“

  „Atan, du sagst es; Terraforming wurde Jahrhunderte lang verboten, nun wird es wieder angewandt. Das ist auch ein Fehler. Habt ihr all die alten Schriften vergessen?“

  „Wir haben nichts vergessen und es will ja auch niemand etwas an unserem System ändern. Wir werden weiter jeden Monat einmal in der Gruppe beichten. Wir werden weiter unsere gesteuerten Traumtests machen, um in einer virtuellen Welt zu sehen, wie wir in einem anderen Leben und einer anderen Zeit gehandelt hätten. Wir können uns aber von diesen Regeln nicht so stark eingrenzen lassen, dass wir unsere eigenen Gefängniswärter werden. Das langweilig brave Leben auf der Erde ist beendet. Die Leute wollen etwas erleben. Lass ihnen doch den Spaß!“

  „Es war einmal ein Volk, das lebte an einer tiefen Schlucht“, begann Peter zu erzählen. „Früher benutzte das Volk eine wacklige Brücke, um auf die andere Seite zu kommen. Doch es stürzten ständig Leute in die Schlucht. Dann umgingen sie die Gefahr. Es passierte nie wieder ein Unglück.“

  „Dann müssen wir eben eine neue Brücke bauen“, antwortete Atan. „Kann sein, dass dann wieder, beim bauen der Brücke, etwas passiert. Wenn sie aber fertig ist, haben wir für immer Ruhe.“

  „Glaubst du wirklich, dass die Menschen schon bereit sind, eine neue Brücke zu bauen? Ich nicht. Sie wollen nur schnell auf die andere Seite“, erklärte Peter.

 

Nach diesen Worten war aus dem Wohnbereich nichts mehr zu hören. Ein paar Minuten später kam der Vater an Vanessas Bett. Er strich ihr zärtlich durch ihr hellblondes Haar. Seine ganze Sorge galt dem Leben seiner Tochter. Sie war ein Teil der Nachwelt. Ihr wird einmal das hinterlassen, woran seine Generation ein Leben lang gearbeitet hat. Leise und behutsam setzte er sich auf den Schemel neben dem Bett. Seine Gedanken gingen weit zurück in die Vergangenheit. Er dachte an die Zeit, als man die 40000 Menschen aus dem zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhundert aus ihrer eisigen Konservierung befreit hat. Es war das Jahr 2610. Diese Menschen kamen aus einer schlimmen Zeit. Als sie in der neuen Welt aufgetaut wurden, mussten sie lernen, nach den neuen Regeln der Vernunft zu leben. Die Menschen, die diese Regeln einst erstellten, hatten das Grauen noch vor Augen. Sie hatten am eigenen Leib gespürt, warum man solche Regeln brauchte. Sie führten die Beichte ein, bei der man nicht lügen konnte und jeder sagen musste, was er für Verbrechen begangen hatte. Sie testeten mit gesteuerten Träumen ihre Charaktereigenschaften. Sie wollten feststellen, wie sie in einem anderen Leben und in einem anderen Körper gelebt hätten. Das alles sollte sie vor Verbrechen, Krieg und Wahnsinn schützen. Gewaltgeschichten, Gewaltverherrlichung, harte Musik, alles was den Geist zum Schlechten beeinflussen konnte, war nicht mehr erwünscht. Sie wollten nicht in Versuchung geführt werden. Es war ein langer Kampf, bis die Befürworter dieses Systems eine neue friedlichere Zukunft errichten konnten. Es waren harte Regeln, aber ohne diese Opfer, war ein Leben in einem friedlichen Paradies nicht möglich. Das mussten auch damals die 40000 aufgetauten Menschen lernen. Aber das alles, war lange her. Die Schreckenszeiten erschienen den Menschen nur noch wie ein schlechtes Märchen, das nicht in ihren Märchenwäldern abgespielt werden durfte. Sie konnten kaum noch unterscheiden zwischen Märchen und Wirklichkeit. Alles war schon so lange her. Vielleicht hätte man die 40000 nie auftauen dürfen, um die Welt immer damit zu erschrecken. Langsam und vorsichtig erhob sich Peter und verließ das Zimmer seiner Tochter. Er war selbst ein Nachkomme eines dieser eingefrorenen Menschen. Sein Weg führte ihn ins oberste Zimmer der goldgelb gläsernen Pyramide. Er saß gerne hier. Auch er liebte den Blick hinaus in die wunderschönen Wälder, die vom Licht der Wohnpyramiden gelb erhellt wurden. Noch mehr liebte er den Blick hinauf zu den Sternen. Dort hin, wo die mächtigen Völker des Universums, ihr Zuhause hatten. Aber sie waren seit Hunderten von Jahren verborgen. Sogar die Sirianer meldeten sich nicht mehr. Nur noch die Togri und einige wenige andere Völker, die nicht weiter entwickelt waren als die Menschen, hielten noch Verbindung zur Erde. Aber auch die Togri wussten nicht, warum die mächtigen Völker sich nicht meldeten. Sie hatten sich noch mehr gewundert, denn auf ihrem Planet lebte das mächtige Shambhala-Volk, das eines Tages verschwand. Peter suchte sein ganzes Leben nach der Wahrheit. Vielleicht lebten diese Völker in einer Welt, die mit nichts zu vergleichen ist, was die Menschen je glücklich machte. War die Märchenwelt der Menschen nur kindische Spielerei, die sie in ihrer geistigen Entwicklung nicht weiter brachte? Eigentlich wünschte er sich, dass alles so bleibt, wie bisher. Denn zu mehr waren die Menschen derzeit nicht fähig. Nur wer einmal im Kerker saß, weiß die Freiheit zu schätzen. Die Menschen hatten diese Weisheit offenbar vergessen. Viele weise Menschen hatten im Laufe der Zeit weise Worte hinterlassen. Diese Weisheiten hatte man in den letzten Jahrhunderten genau studiert. Man wollte so werden wie die größten Dichter und Denker, die diese Zitate hinterließen. Solche weisen Zitate waren den Menschen kostbar geworden. Doch mittlerweile waren andere Dinge kostbarer. Es war wie im zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhundert; als die Menschen, langsam aber sicher, an immer schrecklichere Ereignisse gewöhnt wurden. Das beeinflusste auch die Entwicklung ihrer Kinder, die nicht die Zeit hatten, sich langsam daran zu gewöhnen. Und so wurde die Welt damals immer schlimmer. Aber auch damals gab es Menschen, die diese Zeichen der Zeit erkannten. Peter hoffte für seine Tochter und deren Generation, dass es solche Menschen auch jetzt noch gibt.

 

 

Jupitermond Europa im Jahr 3208

 

Die Planungen, eine zweite Welt neben der auf der Erde zu errichten, dauerten lange. Alles musste bis ins kleinste Detail berechnet und vorbereitet werden. Außerdem brauchte man Hilfe. Die Idee musste Freunde gewinnen. Alleine konnten die ersten Visionäre ihre Idee nicht in die Tat umsetzen. Im Jahr 2308 war es endlich soweit: man konnte mit dem Bau der ersten unabhängigen Stadt beginnen. Alles war genau geplant und vorbereitet. Mit einer offiziellen Eröffnung der ersten Stadt, rechnete man aber erst im Jahre 3216.

 

Erde im Jahr 3210

 

Vanessa hatte eine sehr schöne Kindheit. Die Sorgen ihres Vaters teilten damals nur wenige mit ihm. Sie lernte sehr schnell nach den Regeln zu leben, die schon tausend Jahre Frieden bereiteten. Es war nicht immer einfach, zur Beichte zu gehen. In der Beichtgruppe konnten die anderen miterleben, was man zu bekennen hatte. Auch die Ethikschulungen waren manchmal unangenehm. Die gesteuerten Traumtests, in denen man lernte wie man in einem anderen Leben und in anderen Zeiten gehandelt hätte, konnten schön, aber auch bitter sein. Aber die Kinder lernten, damit umzugehen. Sie lernten Regeln zu akzeptieren, deren Notwendigkeit sie noch nicht verstehen konnten. Sie lernten auch zu verzichten. Sie lernten, dass jegliche Darstellung von Gewalt, die Seele verdirbt. Das war der Ursprüngliche Gedanke, warum man immer mehr, auf die Geschichte der Menschheit verzichten wollte. Sie wollten nur noch in Frieden leben. Doch ohne die Bedrohung durch das Böse, kann es auch das Gute nicht geben. Das wollten nur wenige Menschen wahrhaben.

  Für die Kinder waren diese Regeln und Gesetze nicht einfach zu befolgen. Die Versuchung, in den alten Geschichtsbüchern herum zu stöbern, war bei einigen Kindern und Jugendlichen groß. Aber sie wurden immer wieder vom Märchen- und Schlaraffenland abgelenkt. Die Abenteuerreisen durch die Märchenwälder, in denen sie Kobolden, Gnomen oder  lustigen Comicwesen begegneten, waren überwältigend schön und aufregend. Die Kinder sprachen oft tagelang davon, wenn sie mit der Schule in den Märchenwäldern unterwegs waren. Man konnte nicht mehr sehen, ob eine Blume oder ein Tier echt war, oder ob es sich um ein technisches oder genetisches Wunderwerk handelte. Selbst Bäume waren manchmal bioelektronische Wunderwerke, die in den Wäldern neben echten Bäumen standen. Man durfte sich nicht wundern, wenn ein solcher Baum einem Waldspaziergänger plötzlich, mit einem Ast, von hinten an die Schulter tippte. Vanessas Generation verlernte somit den Sinn für Wirklichkeit und Fiktion. Wie sich Kinder im zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhundert schnell an ihre brutale Welt gewöhnen mussten; so gewöhnten sie sich an ihre seltsame Welt, deren Regeln und Gesetze sie nicht verstanden. Dass Vanessas Eltern damals auch schon Vorschläge erhielten, welcher Partner später besser zu ihr passt, wusste sie nicht. Die Kinder wunderten sich auch nicht darüber, wie ihre Gruppen zusammengestellt wurden. Sie wurden schon in frühester Jugend mit den passenden Partnern zusammengebracht. Der Rest würde sich dann sicher später einmal ergeben. Dabei war es durchaus gewollt, dass sie sich auch körperlich näher kamen. Fruchtbar waren sie ohnehin erst dann, wenn man ihnen Kinder genehmigte. Partnertreue war eher selten, auch bei den Jugendlichen. Wenn die Märchenwälder sie nicht mehr interessierten, hatten sie anderes zu tun. Diese Methode funktionierte immer. Sie war Bestandteil der Regeln und Gesetze, an die man sich gewöhnt hatte, und die bislang niemand in Frage stellte. So lernte Vanessa Ricky kennen. Er war ein netter verträumter Junge, den man manchmal aus seinen Tagträumen erwecken musste. Beide entdeckten schon sehr früh ihr Interesse für die Geschichte der Erde. Man hat es ihnen allerdings nicht leicht gemacht. Um in den Geschichtsbüchern und Hinterlassenschaften der Menschheit zu forschen, mussten sie viele Hindernissee überwinden. Man wollte nicht, dass sie sich mit den alten Geschichten auseinander setzen. Die Menschen der neuen Zeit, verachteten die schreckliche Vergangenheit. Sie glaubten, diese Schwächen, ein für allemal besiegt zu haben. Darum wollte man nicht, dass sich jemand ernsthaft damit beschäftigte. Umso spannender war es, wenn sie dann doch eines der begehrten Bücher fanden.

 

 

3. Geheimnisse der Vergangenheit

 

Erde im Jahr 3214

 

Mit vierzehn Jahren waren die beiden längst ein unzertrennliches Paar geworden; obwohl das eher ungewöhnlich war. Je mehr sie die Regeln ihrer Gesellschaft zu begreifen begannen, um so mehr forschten sie in der Geschichte der Menschheit herum. Sie wussten jetzt schon mehr über die Vergangenheit, als viele Erwachsene. Vanessa entwickelte sich zu einem wunderschönen Mädchen mit hellblonden Haaren und leuchtend blauen Augen. Ricky war ein selbstsicherer sportlich kräftiger Junge geworden, der von seinen Altersgenossen mächtig respektiert wurde. In ihrer Schule erkämpften sie sich, mit viel Überredungskunst und Mühe, Zutritt zu einer alten Bibliothek. Mit Herzklopfen und ein wenig Angst standen sie dann vor der mächtigen Holztür, die ihre Altersgenossen nie und nimmer öffnen würden. Die Holztür knarrte laut, dann standen sie in der alten Bibliothek. Sie standen vor mächtigen Steinregalen, die so aussahen, als seien sie so alt, wie die uralten restaurierten Bücher, die darin standen. Die Regale waren teilweise wie Treppenstufen gebaut, sodass man an ihnen hochgehen konnte. Die Bibliothek war so geheimnisvoll gebaut, wie eine uralte versunkene Urwaldstadt. Das einzig Neue in diesem steinernen Monument waren die sieben kleinen Reinigungsroboter, ohne die diese Bibliothek wohl nicht mehr existieren würde.

  „Mir ist ganz komisch im Bauch, Ricky“, sagte Vanessa nach einer Weile des Schweigens und Staunens. Sie standen regungslos da und bestaunten die riesige Bibliothek.

  „Wo sollen wir da nur anfangen, Vanessa?“

  „Ich suche religiöse Bücher. Mein Vater hat mir gesagt, es gab mal ein Buch, das hieß: Bibel. Vielleicht find ich es hier. Ricky,  such du nach anderen religiösen Büchern! Das Leben der Menschen, vor der Friedenszeit, wurde oft von diesen Büchern und deren Regeln geprägt. Ich möchte wissen, was die Kriege damals ausgelöst hat."

  „Ob das die Religion war, weiß ich nicht, Vanessa. Aber wir werden sehen. Wir wissen so gut wie nichts mehr über die alten Sagen und Legenden, und kaum jemand weiß überhaupt noch, was Religion bedeutet."

  „Nun gut, wir werden uns heute sowieso nur etwas orientieren können. Beim nächsten Mal wissen wir dann schon eher, wonach wir suchen müssen.“

  Den Kindern war die Welt der Vergangenheit so fremd, wie die Welt außerirdischer Wesen. Sie stöberten in den alten Büchern herum, als hätten sie einen Schatz gefunden, der das letzte große Geheimnis der Menschen in sich birgt. Sie lernten etwas über Heirat, was Geld war; sie fanden Berichte über Religionen, Völker, Rassen und Kriege. Sie wunderten sich über den Autoverkehr im zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhundert. Sie konnten nicht nachvollziehen, wieso die Menschen damals ihren Lebensraum so stark verschmutzten und zerstörten.

  „Weißt du, was eine Kirche war?“ fragte Ricky nach einer Weile. Er blätterte in einem Buch, in dem verschiedene Gotteshäuser aus vielen unterschiedlichen Religionen abgebildet waren.

  Vanessa antwortete nicht. Mit bleichem Gesicht und in sich zusammen gesunken, saß sie mit einem Geschichtsbuch in einer Ecke. Sie blätterte im Mittelalter herum und las voller entsetzen, wie damals Menschen zu Tode gequält wurden. Vanessa war entsetzt vor so viel Grausamkeit. Sie ließ das Buch weinend fallen. Ricky brauchte eine ganze Weile, bis er seine Freundin wieder beruhigt hatte. Als sie sich entschlossen, zu gehen, und erst mal nicht wieder zu kommen, betrat ein alter bärtiger Mann die Bibliothek. Es war Paulus, ein alter Zausel, vor dem jeder warnte. Lange Bärte hatte keiner mehr. Und sonst war der Alte auch mehr als seltsam. Um so erschrockener war Vanessa, als sie von ihrem Vater erfuhr, dass der Alte mit ihnen verwandt war. Er gab den Kindern ein faustgroßes weiß glänzendes Kristall.

  „Wenn ihr euch für die Geschichte der Menschheit interessiert, dann schaut in dieses Kristall! Ihr könnt euch dann wünschen, was ihr sehen wollt. Aber Vorsicht! Fangt langsam an! Die Geschichte der Menschheit ist sehr grausam. Ihr dürft euch nicht alles ansehen! Lasst euch nur grob beschreiben, was geschehen ist! Das genügt."          

  Dann verschwand der Alte wieder. Vanessa und Ricky schauten das Kristall an, als hielten sie den größten Schatz in den Händen, der jemals auf Erden existiert hat. Als das Kristall zu leuchten begann, ließ Ricky es vor Schreck fast fallen. Er legte es schnell auf eine Regalstufe, als ob er sich die Finger daran verbrennen könnte. Das Kristall projizierte ein Bild, das so groß war, wie eines der Bücher, die in den Regalen standen. Die Kinder sahen weit in der Zeit zurück, als die Welt noch von Dinosaurier beherrscht wurde. Aber nicht nur Dinosaurier waren zu sehen. Über den Köpfen der größten Lebewesen, die je auf der Erde lebten, schwebte ein Raumschiff. Die Kinder wollten nicht mehr zu schauen. Das war ihnen wirklich zu viel. Als sie die Bibliothek verließen, sahen sie an der Wand über der Tür ein kleines Kreuz. An diesem Kreuz hing eine Figur, die offenbar einen zu Tode gequälten Mann darstellen sollte. Voller entsetzen verließen sie den Ort des Schreckens.

  „Wir sollten das Kristall hier lassen, Ricky“, meinte Vanessa.

  „Nein, wir nehmen es mit. Ich weiß noch nicht was wir damit machen sollen. Erst einmal werden wir es irgendwo verstecken.“

  Die Kinder hatten von nun an ein Geheimnis, das sie niemals preisgeben wollten. Die Angst, man könnte es ihnen weg nehmen, war zu groß.

 

  Vanessa und Ricky hatten erst einmal genug gesehen. Sie wagten in den nächsten Monaten nicht, das Kristall zu benutzen. Sie wickelten es in ein seidenes Tuch, legten es dann in eine Ledertasche und versteckten es in ihrem Baumhaus, das ihre Eltern ihnen schon vor Jahren zum Spielen bauen ließen. Die alte Bibliothek wurde fortan noch mehr gemieden als bisher. Die Menschen hatten Angst vor ihrer Vergangenheit und verdrängten diese. Sie wollten das Gewesene einfach nur vergessen. Sie glaubten, jetzt, nach tausend Jahren Frieden, endlich die Vollkommenheit erreicht zu haben. Sie redeten vom Aufbruch in eine neue Welt. Die Menschen der Vergangenheit hielten sie für minderwertig und rückständig, deren Fehler sie niemals begehen würden. Vanessas Vater war anderer Meinung. Und bald schon war er damit nicht mehr allein. Auch Rickys Eltern hatten Bedenken. Es bildete sich eine kleine Gruppe, die an den tausendjährigen Regeln und Traditionen festhalten wollte. Sie wollten nichts verändern. Alle Aufbruchsschreie versuchten sie niederzukämpfen. Seit langer Zeit waren sich die Menschen wieder uneinig untereinander. Die kleine Gruppe wurde mit der Zeit größer. Vanessas Vater war einer der wenigen Menschen, die lange in alten Büchern studiert hatten. Er kannte die Menschheitsgeschichte, wovor sich mittlerweile auch Vanessa und Ricky fürchteten.

 

 

Erde im Jahr 3215

 

  „Wir sollten ihm von dem Kristall erzählen“, meinte Ricky nachdenklich, als die beiden eines Abends wieder an ihrem Baumhaus standen. Sie ertappten sich dabei, dass sie jetzt sogar schon das Baumhaus mieden. Sie hatten es, seit sie das Kristall dort versteckten, nicht mehr betreten. Es war ein wunderschöner sonniger Winterabend, als sie mit dem Kristall in der Hand, zu Vanessas Eltern gingen.

  „Das Kristall, wo habt ihr das denn her?“ fragte Vanessas Mutter erschrocken.

  „Der Alte hat es uns gegeben“, antwortete Ricky verlegen.

  Ihnen war klar, dass sie ihre Eltern schon früher hätten informieren müssen. Der Alte lebte mittlerweile nicht mehr. Er starb einsam und alleine und hat auch weiter nichts hinterlassen. Dennoch suchte man gleich nach seinem Tod, nach dem Kristall, dessen Existenz ein Mythos war, an den die meisten Menschen nicht glaubten. Sie hielten es für Geheimniskrämerei und dummes Gerede. Als sie nach dem Tod des Alten das Kristall nicht fanden, waren sie in ihrer Annahme bestätigt. Um so größer war das Erstaunen der Eltern der beiden, als das Kristall dann doch noch auftauchte.

  „Wir müssen es den Menschen zeigen“, sagte Vanessa besorgt.

  „Nein, auf keinem Fall“, antwortete Jahn. Rickys Vater meinte weiter: „Sie würden es zertrümmern. Sie würden es zerschlagen und dann glauben, sie hätten damit ein für alle Mal die Vergangenheit hinter sich gelassen und besiegt.“

  „Es ist wie beim Turmbau zu Babel“, antwortet Peter, „sie sprechen bald schon, nicht mehr dieselben Sprachen.“

  Jahn wusste, was Peter meinte. Auch er hat sich mit der Geschichte der Menschen intensiv beschäftigt. Die ersten Warnungen kamen aus dem Jahr 2610, als die konservierten Menschen aus der Vergangenheit aufgetaut wurden. Damals hatten die Gerechtesten unter ihnen die neue Generation gewarnt. Eines Tages wird der Drache wieder erwachen. Das waren ihre Worte. Das war auch der Anlass, warum es noch Menschen gab, die in der Geschichte forschten, um herauszufinden, warum sie das damals sagten.

  Peter sah das Kristall intensiv und ehrfürchtig an. Alle anderen taten es ihm nach. Es dauerte nur wenige Sekunden, da erstrahlte das Kristall in einem grünen Licht. Ein seltsames Wesen war zu sehen. Es war zweifellos kein Mensch. Seine spitzen Eckzähne und sein breiter Mund erinnerten eher an ein Raubtier. Die Nase war platt und das Gesicht eher breit und rechteckig. Das Wesen sagte nicht, wer es war. Es fing gleich an zu reden:

  „Ich stamme von einem Volk, das die Menschheit mehr als einmal gerettet hat. Ihr Menschen habt uns und andere mächtige Völker des Universums, für Götter gehalten. Es ist eine Schwäche primitiver Völker, hinter jedem unerklärbaren Phänomen, etwas Göttliches zu vermuten. Außerdem glauben sie gerne an einen himmlischen Führer. Das nimmt ihnen die Verantwortung für viele ihrer Taten. Sie verstehen nicht, was Gott wirklich ist. Gott ist die Einheit der Menge aller Seelen des Universums, im Zustand der Erleuchtung. Darum darf die Quelle derer, die Weisheit und Wahrheit suchen, niemals versiegen. Wir haben das erreicht, was viele von euch glauben, erreicht zu haben. Aber dazu muss man sich länger bewähren, als tausend Erdjahre. Wenn eurer Volk den falschen Weg geht, wird es eines Tages bestraft werden. Ihr müsst diesmal den richtigen Weg alleine finden. Das wahre Paradies ist schwer zu finden. Nur wenige Menschen wussten wo es liegt, aber ihr habt sie nicht verstanden. Ihr habt nicht mehr viel Zeit es zu finden. Der Tag der Entscheidung rückt immer näher. Die Wahrheit ist die einzige Waffe, mit der ihr euren Feind besiegen könnt."  

  Das Wesen verschwand und das Kristall fragte, nach den Wünschen des Betrachters.

  „Keine Wünsche, danke", antwortete Kamila erschrocken. Rickys Mutter setzte sich niedergeschlagen in einen Sessel. Jana, Vanessas Mutter, versuchte sie zu beruhigen. Aber was sie da hörten, war erschreckend. Zum ersten Mal seit Jahrhunderten erhielten Menschen eine Nachricht von einem göttlichen Wesen. Diese Nachricht hat die Gruppe der Geschichtsforscher oder Pessimisten, wie man sie inzwischen nannte, noch enger zusammengeschweißt.

  

Vanessa und Ricky lernten sehr viel über die Vergangenheit der Menschen. Denn nur so konnte man die vielen weisen Worte der alten Dichter und Denker verstehen, die sie hinterlassen haben. Diese Zitate waren zwar ein sehr wichtiger Bestandteil ihrer Erziehung, aber die Menschen, die tausend Jahre Frieden und Harmonie erlebt hatten, konnten ihre Notwendigkeit nicht mehr verstehen. So kam es, dass die alten Zitate aus der Zeit vor dem großen Frieden, immer mehr durch eigene Zitate ersetzt wurden. Weisheiten aus uralten Zeiten gerieten in Vergessenheit, wie auch die Geschichte, vor dem großen Frieden, in Vergessenheit geriet. Die Gruppe der Pessimisten wurde in den ersten Jahren ihrer Entstehung kaum ernst genommen. Aber, die Zeichen der Zeit, bestätigte ihre Lehren immer mehr. Das Kristall war fortan ihr Lehrmeister. Mit diesem Kristall, das alten Legenden nach von den Sirianern stammen soll, konnten sie ihre Verhaltensweisen besser vorausplanen. Sie erfuhren Geheimnisse, die in keinem Buch zu finden war. Nun hatten sie einen Vorteil, von dem ihre Feinde niemals etwas erfahren durften. Sie besaßen ein Orakel. Wenn die Menschheit sich wirklich spaltet, mussten sie gut vorbereitet sein.

 

 

 

4. Das verbotene Paradies

 

Erde und Jupitermond Europa im Jahr 3216

 

Vanessas Vater kritisierte immer wieder die Traumtests, die sich mehr und mehr in der derzeitigen realen Welt abspielten. Das war bisher anders. Da gab es noch Tests, die in allen Zeitaltern der Menschen handelten. Die Menschen wollten ihre Charaktereigenschaften nicht mehr auf so strenge Art testen lassen. Aber das war nur das kleinere Problem. Die Mondstadt auf dem Jupitermond Europa war fast fertig. Die Arbeiter und Planer lebten schon seit drei Jahren dort oben, auf dem Jupitermond. Diese Stadt sollte selbstständig und unabhängig regiert werden. Man sprach auch schon von mehreren Raumstädten, die im ganzen Sonnensystem gebaut werden sollten. All diese Städte sollten dann ebenfalls unabhängig von der Erde verwaltet werden. Somit war es auch möglich die Menschheit von drei Milliarden, wesentlich zu erhöhen. Trotz der Zeichen der Veränderung waren die meisten Mitbürger immer noch völlig sorglos. Sie lebten fröhlich und vergnügt in den Tag hinein, und fühlten sich von jeglicher Schwarzmalerei eher belästigt. Die Mitbürger, die von der ersten Idee bis zum bauen der Weltraumstadt unnachgiebig planten, waren Mabon, sein Vater Akmon, Mabons Frau Gaia und deren Kinder Odiana und Gar. Der jüngste Sohn Kronos, beteiligte sich nur spärlich an der Planung und der Umsetzung ihrer Vision. Die Stadt auf dem Jupitermond Europa wurde nach den Anfangsbuchstaben ihrer ersten Planer und Erbauer benannt. Sie nannten ihre Stadt Magog. Als Peter und Jahn den Namen hörten, sahen sie sich entsetzt an. Die Erbauer der Stadt wussten nicht, was dieser Name in den alten Sagen und Mythen bedeutete. Aber Peter und Jahn wussten es, und das bestätigte sie, in ihren schlimmsten Befürchtungen. Dennoch wollten ihre Mitmenschen nichts von einem bevorstehenden Untergang ihres tausendjährigen Reiches wissen. Die Zeichen der Zeit waren da. Man konnte sie deutlich sehen. Doch dazu musste man sehen und hören können. Peter wünschte sich, die Gründer des tausendjährigen Friedensreiches wären wieder hier; sie könnten die Gefahr erkennen.

 

 

 

Erde und Jupitermond Europa Jahr 3218

 

Vanessa und Ricky gehörten von nun an zu einer Minderheit, die nicht ganz ernst genommen wurde. Aber Vanessa entwickelte sich zu einer großen und sehr intelligenten Kämpferin. Die Gruppe um Vanessas Vater wurde mit der Zeit immer stärker. Da das alte System der Beichte und Traumtests auf der Erde immer noch Bestand hatte, waren die Geschichtsforscher im Vorteil. Sie bestanden Traumtests mit Bravour, woran andere kläglich scheiterten. Somit kam eines Tages die Zeit, als die ersten Geschichtsforscher in den hohen Rat gewählt wurden. Es schien so, als ob die Geschichtsforscher immer stärker würden, und die Aussiedler immer schwächer. Da aber die Stadt Magog inzwischen fertig gebaut war, konnte die Planung der Weltraumunion, von dort aus weiter gehen. Das war die Zeit, als sich die Menschheit endgültig in zwei Lager spaltete. Menschen, die eine neue Zeit mit neuen Regeln wollten, verließen die Erde. Sie wollten nach Magog. Zuvor verbrannten sie demonstrativ Geschichtsbücher. So verrann die Zeit, und Vanessa wunderte sich immer mehr, wie selbstverständlich ihre Mitmenschen Veränderungen akzeptierten. Die Bewohner von Magog wollten mit den Menschen der Erde anfangs noch in Frieden leben. So kam es, dass Vanessa und Ricky eines Tages etwas sahen, was es schon seit tausend Jahren nicht mehr gegeben hat. Sie sahen in ihrer Stadt, große Plakate mit Werbung. Die Bewohner Magogs warben überall für ihre Pläne. Sie boten den Erdmenschen Urlaub auf Magog an. Sie wollten den Menschen der Erde so beweisen, dass ihre Gesellschaft wesentlich besser funktionierte, als die alte Gesellschaft der Erde. Vanessa und Ricky waren inzwischen 18 Jahre alt.

  Vanessa stand vor einem Plakat und las laut vor: „Erlebt die Freiheit auf Magog! Löst euch von den Fesseln der Vergangenheit! Werdet frei! Behaltet eure Geheimnissee für euch! Ihr habt das Recht dazu.“

  „Das wäre schön, wenn es funktionieren würde, Vanessa. Aber es funktioniert nicht. Es kann nicht funktionieren“, antwortete Ricky bedrückt.

  „Wir kennen die Geschichte der Menschen, Ricky. Darum wissen wir, dass es nicht funktionieren kann. Die kennen die Geschichte nicht.“

  „Und diejenigen, die etwas darüber wissen, sagen, die Menschen hätten eine Bewusstseinsveränderung erlebt, die künftig alles Schlechte verhindert.“

  „Ja, Ricky. Wenn sie die alten Bücher nicht verbrennen, sondern genau lesen würden, wüssten sie, dass die beste Bewusstseinsveränderung nicht von Bestand sein muss. Es ist sehr mühevoll einen Berg zu besteigen, man kann aber sehr schnell wieder abstürzen.“

  Trotz Aussiedler, die sich immer wieder von den Werbesprüchen begeistern ließen, ging das Leben auf der Erde scheinbar reibungslos weiter. Man versuchte, mit den Weltraummenschen in Frieden zu leben. Doch, die Zeit bleibt nicht stehen. 

  „Ich möchte mich einmal mit Ricky auf Magog umsehen!“ sagte Vanessa entschlossen zu ihren Eltern. „Drei meiner besten Freundinnen sind da oben. Und denen scheint es dort so gut zu gefallen, dass sie gar nicht wieder kommen wollen. Auch Rickys Freunde sind oben.“

  „Ganz schlechte Idee“, meinte Jana. „Das ist zu gefährlich. Das lass ich nicht zu. Außerdem ist Sammy schon oben. Das genügt.“

  Sammy war ein Freund der Familien. Er gehörte zu der Gruppe der Geschichtsforscher. Auch Sammy hatte die Idee, sich auf Magog umzusehen. Er war schon vor Monaten dort hin geflogen.  Er wollte jedoch nicht als Urlauber dort hin, sondern als Agent. 

„Wir müssen uns dort umsehen“, bestätigte Ricky. „Wir müssen wissen, wie sich das Leben dort entwickelt. Sammy muss sehr vorsichtig sein. Er hat andere Möglichkeiten und andere Aufgaben. Wir wollen uns nur ein wenig umsehen, dann kommen wir zurück. Wir wollen wissen, wieso so viele Urlauber nicht zurück kommen. Wir müssen auch wissen, wieso die Urlauber die zurückgekommen sind, so oft verträumt in der Gegend herum laufen. Magog hat sie verändert. Was geht da vor?“

  Atan, der Bürgermeister des Stadtbereich Ariel kam hinzu. Seine Töchter Nani und Xenta waren bereits seit Januar verschwunden. Das waren zwei der drei Freundinnen um die sich Vanessa sorgte.

  „Erst haben sie sich begeistert gemeldet“, berichtete Artan. „Alles wäre wunderbar und sehr schön. Dann hörte ich nichts mehr von ihnen. Sie müssten längst wieder zurück sein. Auf Magog weiß man offenbar nicht, wo sie sind. Ich gehe rauf! Ich will wissen was dort los ist. Vielleicht hattest du damals doch recht Peter. Vielleicht ist die Menschheit immer noch nicht bereit, eine neue Brücke zu bauen. Außerdem vermissen noch einige andere Freunde von uns ihre Angehörigen.“

  „Es gibt Möglichkeiten, euer Leben zu schützen“, antwortete Jahn. „Das Kristall hat uns eine Menge Geheimnisse verraten, die wir nutzen können. Diese Möglichkeiten werden allerdings euer weiteres Leben gewaltig verändern. Wenn ihr das unbedingt wollt, werden wir es machen.“

  „Dann müssen wir eben diese Opfer bringen. Lasst uns nicht länger warten. Fangen wie mit den Vorbereitungen an!“ sagte Ricky entschlossen.

  Die Geschichtsforscher hatten sich mit Hilfe ihres Orakels ein geheimes Labor aufgebaut. Vanessa und Ricky wurden auf ihren Einsatz vorbereitet. Sie wurden genetisch so verändert, dass sie über gewaltige Körperkraft verfügten und nur schwer verwundbar waren. An dieser Wissenschaft, hatte die Menschheit lange Zeit geforscht. Die Anwendung oder ein Test an lebenden Wesen war jedoch strengstens verboten. Artan wollte die Veränderung seines Körpers nicht. Er hoffte, dass seine Töchter nur im Urlaubsrausch vergessen haben, wo ihr zuhause war. Der nächste Urlaubsflug nach Magog war im Juni 3218 genehmigt worden. Es waren drei Passagiere mehr an Bord des Raumtransporters.

 


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